Hilfe zur Selbsthilfe: Mit „natürlichen“ Mitteln die Selbstheilungskräfte aktivieren

Hilfe zur Selbsthilfe: Mit „natürlichen“ Mitteln die Selbstheilungskräfte aktivieren

AkupunkturAkupunktur: Feine Nadelstiche, die zur Entspannung und Linderung von Schmerzen führen können. Circa seit den siebziger Jahren hat sich die aus der traditionellen Medizin stammende Behandlungsmethode in den westlichen Ländern durchgesetzt und als naturheilkundliches Therapiekonzept in Heil- und Arztpraxen durchgesetzt.

Die Kraft aus der Natur schöpfen und die menschliche Psyche nutzen – dies machen verschiedene Naturheilmittel und naturheilkundliche Therapieformen, die immer mehr als Ergänzung zur Schulmedizin zum Einsatz kommen. Doch welche Arten der natürlichen Therapie gibt es und was können diese im Körper bewirken?

Natürliche Heilmittel – ein anhaltender Trend und Forschungsgrundlage

Der Neandertaler, der eine Kopfschmerztablette einnimmt – dieses Bild hat es nie gegeben, denn seit Urzeiten haben die Menschen zur Linderung und auch Vorbeugung von Krankheiten und Verletzungen natürliche Mittel eingesetzt sowie die eigenen Abwehrkräfte genutzt. Jedoch wurden mit den Jahren auf Chemie basierende Heilmittel erfunden, die die naturheilkundlichen Therapieansätze verdrängten. Mittlerweile ist die Naturheilkunde aber wieder in aller Munde, was nicht zuletzt daran liegt, dass deren Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen und erforscht wird – und zwar nicht nur zur Behandlung von „leichten“ Erkrankungen. Erst im Jahr 2015 hat das Universitätsklinikum Heidelberg Krebspatienten für eine Studie gesucht, die die Wirkung von naturheilkundlichen Maßnahmen auf bestimmte Nebenwirkungen der Chemotherapie erforscht. Dafür werden die Probanden zufällig in zwei Gruppen zugeteilt. Während die erste Gruppe bei auftretenden Beschwerden, wie Übelkeit oder Entzündungen in der Mundschleimhaut, mit konventionellen Maßnahmen behandelt wird, erhalten die Teilnehmer der zweiten Gruppe naturheilkundliche Linderung mit Aromatherapien, rhythmischen Einreibungen oder Akupressur. Nach einer bestimmten Zeit sollen die Krebspatienten schließlich Fragebögen ausfüllen und die jeweilige Wirkung von gängiger und naturheilkundlicher Linderung auf ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität wiedergeben.

Aber nicht nur das wissenschaftliche Interesse, sondern auch das gesellschaftliche Interesse an naturheilkundlichen Verfahren ist gestiegen. So finden sich mittlerweile nicht mehr nur in Apotheken, sondern auch in Super- und sogar Drogeriemärkten verschiedene natürliche Präparate. Jedoch sollte bei der Auswahl der Produkte nicht auf das erste und vor allem günstigste Mittel gesetzt werden, sondern sich Rat bei erfahrenen Apothekern, Ärzten oder Heilpraktikern geholt werden, die erprobte und erforschte Mittel empfehlen können, so der Experte Dr. Ploss in einem Interview über den Trend Naturheilmittel.

Naturheilkunde unterstützt ganzheitlich

Über die natürlichen Präparate hinweg haben sich verschiedene Konzepte der naturheilkundlichen Therapie herausgebildet, welche als ergänzende und unterstützende Behandlungsformen dienen. Jegliche naturheilkundliche Verfahren zielen darauf ab, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und den Organismus zu stärken. Die natürlichen Heilungskonzepte unterscheiden sich in verschiedenen Punkten von der Schulmedizin, denn sie verfolgen unter anderem einen ganzheitlichen Aspekt und die Kosten werden zwar in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, können aber mit einer Zusatzversicherung abgedeckt werden. Denn die naturheilkundliche Behandlung geht meist über die Behandlung der eigentlichen Symptome hinaus und dient als ergänzender Ansatz einer ärztlichen Therapie. Deshalb ist das naturheilkundliche Wissen oft bereits Bestandteil des Medizinstudiums an Universitäten und darüber hinaus erwerben immer mehr Ärzte eine Zusatzqualifikation, indem sie sich im Bereich der naturheilkundlichen Behandlungstechniken weiterbilden. Denn Akupunktur kann zum Beispiel auftretende Übelkeit bei einer Chemotherapie oder Rücken- und Nackenschmerzen lindern, aber auch typische „Frühlingsbeschwerden“ wie den Heuschnupfen auf natürliche Weise beeinflussen.

Die Naturheilkundlichen Therapien arbeiten mit verschiedenen Schwerpunkten: Von der persönlichen Achtsamkeit über Methoden fremder Kulturen bis hin zu weiteren naturheilkundlichen Methoden, wie Eigenurinbehandlung oder Magnetfeldtherapie.

Achtsame Naturheilkunde: Mind-Body-Medizin oder auch Ordnungstherapie

Ausgiebige Meditationen sind Teil der zur Naturheilkunde zählenden Mind-Body-Medizin.

Die Ordnungstherapie ist sozusagen die Grundlage der naturheilkundlichen Therapieformen und eignet sich zur Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen, da diese das ganzheitliche Prinzip der naturheilkundlichen Maßnahmen umsetzt und für einen ausgeglichenen Lebensstil sorgt, der in der Regel der Heilung jeder Krankheit zu Gute kommt sowie präventiv wirken kann. Die Ordnungstherapie hilft bei der Gestaltung des Alltags mit gesundheitsfördernden Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Entspannung, naturheilkundliche Selbsthilfe oder soziales Leben.

Auch die Mind-Body-Medizin, die circa ab den siebziger Jahren hauptsächlich in den USA erforscht wurde und mit dem Ziel der Ordnungstherapie eine achtsame Lebensführung zu bewirken übereingeht, ist Teil des Programms verschiedener (naturheilkundlicher) Kliniken. Die Mind-Body-Medizin arbeitet gemäß naturheilkundlicher Grundlagen und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper und Geist gleichermaßen mit einbezieht. Die Inhalte der „Geist-Körper-Medizin“ basieren neben Aspekten der Naturheilkunde auf wissenschaftlichen Untersuchungen im Bereich der Stressforschung – wie dem Midfulness-Based Stress Reduction Program, welches die Wirkung von Achtsamkeit auf Stresssymptome erforscht. Die Forschungen haben gezeigt, dass sich unter anderem die Achtsamkeitsmeditation positiv auf die Psyche auswirkt. Neben meditativen Achtsamkeitsübungen gehören zur Mind-Body-Medizin – oder auch naturheilkundliche Ordnungstherapie – zum Beispiel Bewegungseinheiten (Walking, Yoga oder Akupressur), Ernährungsberatungen, Selbsthilfemaßnahmen aus der Naturheilkunde (spezielle Tees oder Kneipp´sche Anwendungen) sowie die Unterstützung von sozialen und kommunikativen Fähigkeiten (Erlernung der Selbstreflektion und der wohltuenden Ausrichtung des eigenen sozialen Umfelds).


Naturheilkundlicher Ansatz aus der Ferne: Chinesische Heilkunst

Im Bereich der Naturheilkunde existieren aber auch naturheilkundliche Kenntnisse aus fremden Kulturen, wie China oder Indien. Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) geht auf eine lange Entwicklung in den Kulturen Ostasiens und Chinas zurück, woraus sich verschiedene natürliche Behandlungsfelder ergeben haben, die ganzheitlich sind und auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt werden können. In der Tradition der naturheilkundlichen chinesischen Medizin wird davon ausgegangen, dass die Natur den Körper beeinflusst und das natürliche Gleichgewicht zur Linderung von Erkrankungen wiederhergestellt werden muss. Das Ziel der chinesischen Behandlungsphilosophie ist demnach, den uneingeschränkten Energiefluss (Qi) wiederherzustellen. In Deutschland haben sich die chinesischen Therapieformen ungefähr ab den siebziger Jahren durchgesetzt – und zur Akupunktur kamen mit den Jahren das entspannende Bewegungsprogramm „Tai Chi“, die Bädertherapie oder Massagetechniken hinzu, die meist in gegenseitiger Ergänzung angewandt werden. So ergänzen zum Beispiel zwei traditionelle chinesische Heilverfahren – die Moxibustion und das Schröpfen – verschiedene Akupunkturtechniken.

Beispiele von Moxibustion:

 (Akupunkturpunkt oder Akupunkturnadel werden durch Verbrennung von Beifußkraut erwärmt)

Bei der Moxibustion wird Beifußkraut unter anderem auf Kegeln, die zum Beispiel aus Ingwer oder Heilerde bestehen, auf der Haut abgebrannt und Akupunkturpunkte durch Wärme stimuliert.
  • Moxakegel: Erwärmung der Akupunkturpunkte mit gepresstem Beifußkraut, das mit verschiedenen Unterlagen auf die Haut gelegt und abgebrannt wird. Zu den Unterlagen zählen unter anderem Ingwerscheiben, Heilerde oder Tofu.
  • Moxa-Zigarre: Erwärmung der Haut mit einer circa 20 Zentimeter langen Stange aus geriebenem Beifußkraut, welche von Papier umhüllt ist. Die Zigarre wird angezündet und auf verschiedene Akupunkturpunkte gehalten.
  • Moxa auf einer Akupunkturnadel: Die Akupunkturnadel wird in die Haut gesetzt und darauf Moxa-Wolle platziert und angezündet. Die Hitze wird über die Nadel an die Haut abgegeben.
  • Moxakasten: Die Moxa-Wolle wird in einem Holzkasten, der auf die Körperoberfläche gestellt wird, abgebrannt. So können größere Hautflächen erwärmt werden.

Verschiedenen Methoden des Schröpfens:

      (Erzeugung eines Vakuums auf der Körperoberfläche)

Beim Schröpfen werden Saugglocken erhitzt und auf die Haut gegeben, so dass sich ein Vakuum bildet, was die Durchblutung fördert und Verspannungen löst.
  • Unblutiges Schröpfen: Saugglocken aus Glas werden auf die Haut gesetzt. Entweder wird durch das Absaugen oder durch Erhitzung der Luft im Glasinneren ein Vakuum erzeugt und die Haut nach innen gesaugt. So wird die Durchblutung von Haut und Muskeln gefördert.
  • Blutiges Schröpfen: Hautpartien werden leicht angeritzt und darauf das Schröpfglas aufgesetzt, so dass das Blut im gestauten Hautbereich leicht austritt und Schadstoffe entweichen können.
  • Massage: Festgesaugte Schröpfer werden über den vorher eingeölten Körper bewegt. Die Massage dient der Entgiftung, der Entspannung sowie der besseren Durchblutung. Zudem lockert die Schröpfmassage die Muskulatur und wirkt gegen Verspannungen an.

Weitere Methoden der Naturheilkunde: Eigenurinbehandlung und Magnetfeldtherapie

Neben den eher klassischen Methoden, gibt es weitere naturheilkundliche Maßnahmen, die zwar auch zur Komplementärmedizin gehören, aber deren Wirksamkeit noch nicht wissenschaftlich belegt ist. Vor der Durchführung von Therapien, wie Eigenblutbehandlung, Sauerstofftherapie oder Bioresonanz, sollten die Risiken, mögliche Behandlungserfolge sowie die Kosten genau abgewogen werden. So auch bei der Eigenharnbehandlung oder der Magnetfeldtherapie. Mit der Behandlung von eigenem Urin soll der Organismus auf verschiedene Art und Weise durch enthaltene Enzyme, Vitamine und Hormone angeregt und Erkrankungen entgegenwirkt werden. Einige naturheilkundliche Kliniken wenden die Urintherapie an – und zwar äußerlich durch den direkten Auftrag auf der Haut oder innerlich durch Trinken oder Injektion. Die Einnahme des eigenen Urins sollte nur unter Anleitung von einem Heilpraktiker stattfinden. Dieser kann auch eine Magnetfeldtherapie durchführen, die im Gegensatz zur Eigenurintherapie keine körpereigenen und inneren Mittel nutzt, sondern vielmehr an die „heilende“ Kraft von äußeren Mitteln – Magnetfelder – glaubt.

Im Rahmen einer nicht-invasiven Magnetfeldtherapie werden Magnetfelder mithilfe von Strom künstlich erzeugt. Die Magnetfelder nutzen Therapeuten, um die Wundheilung voranzutreiben, die Abwehrkräfte zu stärken, Stoffwechselstörungen zu beeinflussen, oder Schmerzen zu lindern. Dieser naturheilkundlichen Therapieform liegt folgende Theorie zu Grunde: Im Körper existieren elektrisch geladene Teilchen (Ionen), die Spannung erzeugen und ein magnetisches Feld aufbauen, welches die Zellfunktionen aufrechterhält und die Heilungsprozesse bestimmt. Mit der Magnetfeldtherapie sollen das Magnetpotential kranker Zellen und somit das körpereigene „Schutzschild“ aufgebaut werden. Die Wirkung dieser nicht-invasiven naturheilkundlichen Magnetfeldtherapie ist jedoch noch nicht ausführlich wissenschaftlich beleg. Wohingegen die Mind-Body- oder der traditionelle chinesische Medizin bereits als natürliche, komplementäre Behandlungsformen anerkannt sind.

Bilder:

Abbildung 1: © Andrey Popov – fotalia.com (#95790020)

Abbildung 2: © julief514 – fotalia.com (#103102577)

Abbildung 3: © Monet – fotalia.com (#74925474)

Abbildung 4: © Andrey Popov – fotalia.com (#83008094)

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